Verkehr und Siedlung koordinieren

Die Siedlungs- und die Verkehrsentwicklung beeinflussen sich gegenseitig. Gute Erschliessung kann zu einer erhöhten Standortgunst beitragen. Die optimale, bodensparende Verkehrserschliessung ist nicht nur aus raumplanerischer Sicht wichtig. Sie ist auch ein Standortfaktor in der Regionalökonomie.

Wohnen, Arbeit und Freizeit liegen heute oft weiter voneinander entfernt denn je. Unsere Gesellschaft ist mobiler geworden; wir pendeln zwischen unterschiedlichen Standorten. Die in den letzten Jahren gebauten Siedlungen zwingen uns zu immer weiteren Fahrten – viele davon mit dem Auto, wie der Mikrozensus Mobilität und Verkehr zeigt (65 Prozent aller Wegstrecken).

Mit dem Raumkonzept Schweiz haben Bund, Kantone, Städte und Gemeinden eine gemeinsame Vorstellung einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung unseres Landes erarbeitet. «Verkehr, Energie und Raumentwicklung aufeinander abstimmen» lautet eine der Strategien. Bezogen auf die Mobilität ist eine angebotsorientierte Verkehrspolitik gefragt. Nicht die steigende Nachfrage darf den Umgang mit Verkehrsinfrastrukturen bestimmen, sondern ein siedlungsverträgliches, wirtschaftliches Angebot, das sich an Kapazitätsgrenzen orientiert.

Es braucht Werkzeuge und Regeln, um die Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufeinander abzustimmen. Denn es gilt: Kompakte Siedlungen sind Siedlungen der Zukunft. Dichtere Siedlungen erzeugen weniger Verkehr, also weniger zurückgelegte Kilometer pro Person. Die Wegstrecken, die in dichtbebauten Gebieten bewältigt werden müssen, sind deutlich kürzer.

Bern Hauptbahnhof Pendler - Des pendulaires à la gare de Berne
Pendler am Hauptbahnhof Bern

Agglomerationsprogramme dienen der Koordination

Ein Instrument zur überörtlichen Koordination von Siedlungsentwicklung und Verkehr sind die Agglomerationsprogramme. Sie fördern die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und sind Voraussetzung für die Mitfinanzierung von Verkehrsprojekten durch den Bund.

Das Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstum muss in bereits bestehenden Siedlungsgebieten und an Lagen stattfinden, die vom öffentlichen Verkehr bereits gut erschlossenen sind. Hier braucht es Fingerspitzengefühl. Verdichten hängt stark mit dem Umgang und der Akzeptanz der Mobilität zusammen. Gefragt sind Verkehrslösungen, die den Bedürfnissen und dem Verhalten der Menschen entsprechen, den Anwohnern und allen, die den Raum nutzen, aber auch eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität gewährleisten.

Dicht bebaute Siedlungen haben ökonomische Vorteile. So können Infrastrukturkosten für das Erschliessen mit Strassen, Wasser- und Abwasserleitungen, Strom- und Telekommunikationsnetze sowie die Kosten für den Unterhalt gesenkt werden. Denn diese Kosten sind in dichten Gebieten deutlich tiefer als in ländlichen Gemeinden (vgl. hierzu die Studie «Infrastrukturkosten unterschiedlicher Siedlungstypen» des Bundesamts für Raumentwicklung ARE, 2017).